Chronik

Vom "Historischen Kränzchen der Mediomatriker" zum Historischen Verein Zweibrücken

Hans Ammerich

Die Erforschung der Geschichte Zweibrückens ging im 18. Jahrhundert vorwiegend vom Gymnasium Bipontinum aus und ist insbesondere mit den Namen Georg Christian Joannis, Johann Philipp Crollius und seines bedeutenderen Sohnes Georg Christian verbunden. Einen deutlichen Einschnitt im Verhältnis zur Vergangenheit stellte das Ende der Fürstenzeit dar. Die damals in Zweibrücken gesellschaftlich und kulturell tragende Schicht war im 19. Jahrhundert so gut wie verschwunden. Die Blütezeit Zweibrückens als Residenz wurde nun "aus der politischen Perspektive einer sich wandelnden Welt unter einem mehr negativen Vorzeichen gesehen". Um die Pflege der Zweibrücker Geschichte bemühten sich nunmehr Philipp Casimir Heintz und Wilhelm Eugen Schultz, der jüngste Bruder der beiden berühmten Botaniker. 1867 veröffentlichte Johann Georg Lehmann seine "Vollständige Geschichte des Herzogthums Zweibrücken und seiner Fürsten der Stamm- und Vorältern des königlich bayerischen Hauses", die allerdings "in der chronologischen Aneinanderreihung von Daten und Fakten steckenbleibt und deshalb blaß und farblos wirkt".

Nach der Reichsgründung kamen neue wichtige Impulse von einem "Mediomatriker-Kränzchen", einer Vereinigung von Zweibrücker Geschichtsfreunden. Stabsarzt Dr. Anton Moser gründete mit Gleichgesinnten am 2. Dezember 1873 in der Brauerei Buchheit eine Arbeitsgemeinschaft, um die Geschichte des heimatlichen Raumes zu erforschen, zu pflegen und einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen. Mitbegründer waren der Gefängnisgeistliche und Gymnasialprofessor für katholische Religion Jakob Reeb, der Advokat und spätere Geheime Rat und Kammerdirektor in Sigmaringen Eugen Loew, Freiherr von Hofenfels, Oberlandesgerichtsrat Molitor und der evangelische Pfarrer Petersen.. Der mehr scherzhafte Vorschlag, diese Vereinigung "Die Mediomatriker" nach der keltischen Urbevölkerung des heimatlichen Raumes zu benennen, kam von Advokat Loew anläßlich eines Ausfluges im April 1874 nach Sengscheid bei St. Ingbert; zu dieser für manchen unverständlichen Benennung fügte man "Verein Zweibrücker Geschichtsfreunde" hinzu.

Die Begründer dieses "Mediomatriker-Kränzchens" kamen aus den Reihen einer neuen Oberschicht der Stadt Zweibrücken; es waren unter ihnen nur wenige Einheimische. Einer der Mitbegründer, der evangelische Pfarrer von Ernstweiler, Adolf Petersen, schildert im zweiten Teil seiner "Chronik der Familie Petersen" die ersten Anfänge des Vereins: "Zu einer dritten Art von ,Gründung' mitzuwirken in erster Linie wurde ich angeregt in Ernstweiler-Zweibrücken. Mit dem dort wohnenden Stabsarzt Dr. Moser verkehrend, unterhielt ich mich mit demselben öfter über geschichtliche und archäologische Dinge. Wir verabredeten monatliche Besprechungen über Geschichte und Alterthum mit noch andern Freunden dieses Gebietes aus den verschiedenen Fakultäten, Ständen, Parteien und beiden Konfessionen. [Als Anmerkung wird vermerkt:] Z.B. die Herren: Oberlandesgerichtsrat Molitor, ... Löw, Freiherr von Hofenfels, Gutsbesitzer Freudenberg, Oberlandesgerichtsrat Schuler, Pfarrer Blum, die Ingenieure Müller und Serini, der Rektor und verschiedene Professoren des Gymnasiums u. a. In den Winterabenden beschäftigten uns Geschichte und Altertumskunde, im Sommer machten wir Ausflüge an denkwürdige Stellen, mehrmals verbunden mit Ausgrabungen. Jährlich werde ich eingeladen noch, nach bald 10 Jahren, zur Feier der Gründung an einem gemeinsamen Mahle mich zu beteiligen; auf der letzten Einladung erfuhr ich, daß der anfangs kleine Kreis sich erweitert hat, zu einem anerkannten Vereine für die Geschichte der westlichen Pfalz mit bereits 100 Mitgliedern.. So hat nun auch dies kleine Saatkorn sich schön ausgewachsen wie die andern".

Eine Fotomontage aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts - sie befindet sich heute im Stadtarchiv von Zweibrücken - zeigt die 20 Gründer des Vereins in kleinen Porträts; um das Bild des Oberstabsarztes Dr. Moser gruppieren sich die der übrigen Mitglieder; es sind die Herren Eugen Loew und sein Sohn Theodor, Seitz, Netzle, Freudenberg, Hahn, Schuler, Reeb, Bockharth, Molitor, Dr. Autenrieth, Freiherr von Hofenfels, Rütter, Dr. Westermeyer, Serini, Müller, Blum, Petersen, Zink, also Vertreter verschiedenster Berufe und Stände, Mediziner, Juristen, Philologen, Theologen beider Konfessionen, Ingenieure, Gutsbesitzer. Ihre Aufgaben sahen diese Männer darin, die Tradition der Zweibrücker Geschichtsschreibung wieder aufzunehmen und sie in einer Zeit wiedererwachten Geschichtsbewußtseins durch Vorträge und Veröffentlichungen in weite Kreise der Bevölkerung zu tragen. Daneben waren es insbesondere Ausflüge und kleinere Ausgrabungen, die von den "Mediomatrikern“ unternommen wurden. Im Haus von Eugen Loew - Dinglerstraße 7 - fanden die ersten Besprechungen und Sitzungen statt.  

Ausgrabungen, an denen sich damals Mitglieder des Historischen Kränzchens beteiligten, waren insbesondere die Freilegung der Fundamente der mittelalterlichen Kreuzkapelle am Kreuzberg und die Aufdeckung römischer Trümmer südlich von Zweibrücken.. Für die Ausgrabungen am Kreuzberg, die durch den Bau des Kranzbühlerischen Hauses bedingt waren, scheint sich vor allem Freiherr von Hofenfels interessiert zu haben, der später noch einen dort gefundenen mittelalterlichen Schlüssel von 30 Zentimeter Länge verwahrte. Mit der römischen Zeit beschäftigte sich besonders Oberlandesgerichtsrat August Schuler (1823-1885), der Vater des "Zweibrücker Römers" Alfred Schuler (1865-1923), "jenes eigenartig im römischen Wesen lebenden Mysten aus dem Münchner Stefan-George-Kreis". Über die Funde der Römersiedlung am Kirchberg bei Ixheim faßte August Schuler mehrere Berichte ab. Auch die Aufdeckung des dazugehörigen römischen Gräberfeldes an der Südostecke des Zweibrücker Hauptfriedhofes im Jahre 1882 leitete er.

Bei den historisch interessierten Personen durften die Lehrer des Zweibrücker Gymnasiums nicht fehlen. Von ihnen sind die Gymnasialrektoren Dr.

Autenrieth (von 1872 bis 1884 Vorstand der Schule) und Hahn (von 1889 bis 1899 stand er der Schule vor) auf der Fotomontage von 1880 zu sehen. Es sind aber auch die Lehrkräfte Johann Georg Faber, Dr. Heinrich Dittmar, Friedrich Butters, Heinrich Finger und Dr. Philipp Keiper zu nennen, die mit historischen Arbeiten hervortraten.

Die Vereinigung, deren Leitung Dr. Moser übernahm, war und blieb bis zum Ende des Jahres 1896 ohne jegliche Regelungen. Satzungen wurden nicht aufgestellt, Beiträge nicht erhoben. Spenden genügten, um die Ausgaben zu decken. Man war auch nicht darauf bedacht, eine größere Anzahl von Mitgliedern zu werben; ganz im Gegenteil suchte man deren Zahl zu begrenzen und unterwarf diejenigen, die dem Kränzchen beitreten wollten, einer Abstimmung, bei der Einstimmigkeit für die Aufnahme erforderlich war. Protokolle der Sitzungen und Besprechungen wurden in den ersten Jahren nicht geführt. Aus den Aufzeichnungen Buttmanns geht hervor, daß erst vom Februar 1876 an von Mosers Hand einige, oft recht zusammenhanglose Notizen, die er mit Bleistift für seine eigenen Zwecke niedergeschrieben hat, vorhanden waren, die aber heute nicht mehr nachweisbar sind. Erst ab Januar 1878 begannen die Protokolle, setzten 1879 aus und wurden dann regelmäßig niedergeschrieben. Ein Protokollbuch, in das auch die älteren Sitzungsberichte eingefügt waren, legte erst in der Sitzung vom 3. Mai 1881 der damalige Schriftführer Pfarrer Blum auf den Tisch des Hauses vor; auf seinen Antrag wurde auch bestimmt, daß künftig die Vereinsverhandlungen zu besserer Dauer mit Tinte in diesem Buch verzeichnet werden sollten. Leider ist dieses Protokollbuch heute nicht mehr vorhanden. Von den ersten Jahren des "Mediomatriker-Kränzchens", also von der Zeit, als Moser an der Spitze der Vereinigung stand, läßt sich nur wenig berichten. Als Mitglieder werden - außer den oben erwähnten Herren - genannt: Im Februar 1876 Gyrnnasialprofessor Dr. Zink, der spätere Rektor des Humanistischen Gymnasiums in Amberg, am 3. Januar 1878 Schuler, die Ingenieure Müller und Seitz, Gymnasialrektor Dr. Autenrieth, am 5. August Blum und Serini, der im November als Ehrenmitglied bezeichnet wird. Als Gast nahm an den Sitzungen 1887 Archivar Rieder teil, der damals mit der Ordnung und Erschließung der Akten des Protestantischen Kirchenschaffneiarchivs und der Akten des Dekanats beschäftigt war. Am 5. Januar 1880 werden Freudenberg und Gymnasialprofessor Hahn erwähnt und als Gast General von Frankenberg.

Im Jahr 1880 wurde Dr. Moser von Zweibrücken nach Aschaffenburg versetzt. Neben ihm war vor allem Ludwig Alois Molitor die "Seele" des kleinen Kreises. "Er war, wenn auch nicht der einzige, so doch der Hauptträger des Gedankens der Ergründung der Heimatgeschichte. Mag auch Molitor mitunter von dem Zauber der Romantik erfaßt worden sein: das unbestreitbare Verdienst bleibt ihm, durch seine Schriften den Sinn für die Heimatgeschichte in weite Kreise des Volkes getragen zu haben". Als Ergebnis seiner umfassenden Studien sind folgende grundlegende Werke über Zweibrücken entstanden:

„Das bürgerliche Leben und die städtische Verfassung" (1879), "Zweibrücken, Burg und Stadt" (1879), "Geschichte einer Fürstenstadt" (1885) und das "Urkundenbuch zur Geschichte der Stadt Zweibrücken" (1888). Carl Pöhlmann schreibt 1917 in seiner Biographie Ludwig Molitors folgendes über dessen Werk: "Indem Molitor sich ausschließlich mit der Geschichte Zweibrückens beschäftigte, durchforschte er nur solche Quellen, die lediglich auf Zweibrücken Bezug haben, und ließ andere, aus denen viel Wissenswertes zu schöpfen gewesen wäre..., außer Betracht... Er verstand es, den Leser zu fesseln und durch seine volkstümliche Schreibweise die großen Massen für seine Bücher zu gewinnen. Es ist eines seiner hervorragendsten Verdienste, daß er hierdurch - ganz im Gegensatz zu J. G. Lehmann - die Kenntnis der Vergangenheit unserer Stadt zu einem Gemeingut aller machte und den Sinn für Heimatgeschichte mächtig hob..: An seine Werke hat die spätere Heimatgeschichtsforschung angeknüpft, indem sie den weiteren Ausbau, teilweise auch die Widerlegung seiner Ansichten versuchte; im einen wie im anderen Falle bilden seine Schriften eine Etappe in der Klarstellung der Geschichte Zweibrückens, die ihn vor die schwierigsten Probleme stellte, wie sie auch jedem seiner geistigen Nachfolger entgegentreten... Geradezu bahnbrechend hat er aber gewirkt, indem er die enge Zusammengehörigkeit Zweibrückens und des bayerischen Königshauses als Leitsatz für fast all seine Schriften verwendete. Die besondere Huld und Zuneigung, welche Prinzregent Luitpold wie auch König Ludwig III. der Stadt bezeigt haben, ist nicht zuletzt eine Folge von Molitors Wirken... ".

Wenn der Historiker auch manches an Molitors Geschichtsbetrachtung aussetzen könnte, so muß man in Anbetracht der Tatsache, daß Molitor kein Fachhistoriker gewesen ist, diese Leistungen auf dem Gebiet der Heimatgeschichte um so höher werten. Er ist und bleibt einer der bedeutendsten Erforscher der Geschichte Zweibrückens, dem die Stadt schon 1888 durch die Ernennung zum Ehrenbürger und später durch die Benennung einer Straße nach seinem Namen ihre Dankbarkeit für seine Verdienste um Heimat und Geschichte ausgedrückt hat.

Nach Molitors Tod am 12. Januar 1890 verlor die Vereinigung zunächst an Schwung, bis sie sieben Jahre später unter dem Gymnasialprofessor und späteren bayerischen Landtagsabgeordneten Rudolf Buttmann neuen Auftrieb erhielt. Sein Bestreben war es, durch die Gründung eines neuen Vereins dafür zu sorgen, daß der Gedanke der Geschichtspflege auf eine breitere Basis gestellt wurde. Bereits am 13. Dezember 1896 beschloß das nunmehr seit 23 Jahren in Zweibrücken bestehende "Historische Kränzchen der Mediomatriker", sich in einen anerkannten Verein umzuwandeln. In der Sitzung vom 9. April 1897 teilte Rudolf Buttmann mit, daß die Satzungen genehmigt und der Verein anerkannt sei. Infolge eines Aufrufs vom 14. April stieg die Zahl der Mitglieder innerhalb eines Monats von 35 auf 69. Bereits im Juni war die Mitgliederzahl auf 82 gestiegen. In der Hauptversammlung vom 2.Juli wurde der Beschluß gefaßt, daß der Verein die Aufnahme in den "Gesamtverein der deutschen Geschichts-und Altertumsvereine" anstreben solle. Der Mitgliederstand betrug jetzt 90, darunter befand sich die Stadtverwaltung als korporatives Mitglied. Am 4. Oktober wurden dem Verein mit Einwilligung von Hilgard- Villard Räume im städtischen Waisenhaus zur Aufstellung seiner Sammlungen zur Verfügung gestellt.

Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 95 gestiegen.

In seinem Rechenschaftsbericht anläßlich der Hauptversammlung vom 12. Januar 1900 gab Buttmann bekannt, daß die Mitgliederzahl nun 111 betrug, und verwies auf die erfreuliche Zunahme der Bibliothek und der Sammlungen. So war in wenigen Jahren, wie Petersen berichtet, aus dem kleinen zwanglosen Kreis von Geschichtsinteressierten ein festgefügter anerkannter Verein geworden. In den monatlichen Vereinsabenden wurden zahlreiche Themen aus der Heimatgeschichte sowie der allgemeinen Geschichte, aber auch aus anderen Wissenschaftsgebieten behandelt. Die alljährliche Hauptversammlung war jeweils mit einem Festessen verbunden.

Seit 1897 wurde, von Gymnasialprofessor Rudolf Buttmann angeregt und geleitet, ein eigenes Vereinsblatt, die "Westpfälzischen Geschichtsblätter" herausgegeben. Im Jahr 1900 konnte das erste Heft der von nun an jährlich einmal erscheinenden "Mitteilung des Historischen Vereins" vorgestellt werden. Es bestand eine mehrere tausend Bücher umfassende Vereinsbücherei, die später von Oberregierungsrat Dr. Carl Pöhlmann betreut wurde. Auch die Betreuung des Heimatmuseums oblag den Mitgliedern des Vereins; seit 1913 war für ein Museum gesammelt worden, das 1926 eröffnet werden konnte. Um das Museum haben sich besonders die Herren Oberstudiendirektor Dr. Albert Becker und Gewerbeoberlehrer Ernst Drumm verdient gemacht.

Seit 1897 konnte der Historische Verein in monatlichen Vereinssitzungen eine überaus große Zahl von Themen aus dem Bereich der engeren und weiteren Heimatgeschichte in anregenden Vorträgen behandeln und somit wertvolle neue Beiträge zur allgemeinen Geschichte, zur Kunst- und Literaturgeschichte sowie zur Volkskunde beisteuern. "In einer das Besondere und das Allgemeine stets verbindenden Forschungsart wurden vielerlei Fäden angeknüpft, die über den örtlich begrenzten Umkreis hinausführen und eine unserem pfälzischen geistigen Leben förderliche Brücke zum allgemein deutschen Geistesleben und seiner Erforschung schlugen". So entstand aus dem Ende 1873 gegründeten "Kränzchen der Mediomatriker" im Jahr 1897 der Historische Verein der Mediomatriker für die Westpfalz, der 1934 auf Anregung von Albert Becker auf die Bezeichnung "Mediomatriker" verzichtete und sich seitdem als "Historischer Verein für die Westpfalz" bezeichnete. An der Spitze des Vereins standen bedeutsame Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Oberlandes ökonomierat Freudenberger, Bergrat Hochstetter, Oberlandesgerichtsrat Freiherr von Hofenfels, Kirchenrat Schunk, die Gymnasialdirektoren Hahn, Herzer, Stich, Oberregierungsrat Pöhlmann, Oberlandesgerichtsrat Gustav Roth, Dr. Albert Becker und Julius Kallenbach.

Während sich das Vereinsleben im Ersten Weltkrieg und in den schwierigen Nachkriegsjahren ohne größere Probleme weiterentwickelte, konnten die "Westpfälzischen Geschichtsblätter" während der Jahre 1915, 1916, 1920 und 1921 nicht erscheinen. Unter Oberregierungsrat Dr. Carl Pöhlmann erfuhren die "Westpfälzischen Geschichtsblätter" noch mannigfältige Wandlungen. 1936 hat das Vereinsorgan sein Erscheinen einstellen müssen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurden die Vereinsbücherei und das Heimatmuseum - beide waren nebeneinander im ehemaligen Spital hinter der Alexanderkirche untergebracht - fast restlos vernichtet.

In den beiden ersten Nachkriegsjahren war an eine Vereinstätigkeit nicht zu denken. Am 6. August 1948 wurde von den Herren Landgerichtsdirektor Wilhelm Lang, Dekan Grogro und Amtsrat i.R. Josef Müller über das Städtische Kulturamt bei der Militärregierung in Zweibrücken die Wiederzulassung des Vereins beantragt: "Der historische Verein der Mediomatriker für die Westpfalz in Zweibrücken wurde im Jahre 1897 gegründet und bestand noch bei Kriegsende. Zweck des Vereins ist Pflege der Heimatsgeschichte durch regelmäßige Zusammenkünfte und Abhaltung von Vorträgen. Der letzte Vorstand des Vereins war Oberregierungsrat Pöhlmann, er ist inzwischen gestorben. Die Unterzeichneten, die Mitglieder des Vereins sind, bitten um dessen Wiederzulassung. Es ist beabsichtigt, eine Mitgliederversammlung darüber bestimmen zu lassen, ob der Verein noch weiter bestehen oder in den historischen Verein der Pfalz in Speyer aufgehen, und was in diesem Falle mit dem Vereinsvermögen geschehen soll ".

Die Frage, ob man wieder einen eigenen Historischen Verein der Westpfalz gründen oder sich als Ortsgruppe dem Historischen Verein der Pfalz anschließen solle, war zunächst recht umstritten; schießlich entschloß man sich zu letztem. In der Mitgliederversammlung vom 27. September 1950 wurde die Überführung des "Historischen Vereins der Westpfalz" in den neu gegründeten "Historischen Verein Zweibrücken" beschlossen, der sich als Ortsgruppe dem Historischen Verein der Pfalz eingliederte. Der erste Vortrag wurde am 18.

Oktober 1950 von Rechtsanwalt Max Schuler über "Die Beteiligung des Regiments Royal Deux-Ponts am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg" gehalten.

Inzwischen war auch das durch die Schreckensnacht des 14. März 1945 völlig zerstörte Zweibrücker Heimatmuseum in den Arbeitsbereich des Vereins einbezogen worden.

Den Vorsitz des "Historischen Vereins Zweibrücken" übernahm Landgerichtsdirektor Wilhelm Lang. Oberbürgermeister Roth beglückwünschte ihn am 16. Oktober 1950 namens der Stadtverwaltung zur Berufung als 1. Vorsitzender und dankte ihm für seine Bemühungen, "die zur Wiederaufnahme der Tätigkeit des Historischen Vereines führten". Der Oberbürgermeister sicherte dem Verein "in jeder Hinsicht" die Unterstützung der Stadtverwaltung zu; auch wolle er sich um die Klärung der Frage nach der "angeblichen Auslagerung von Stücken des Heimatmuseums" bemühen. Dank der Initiative des Historischen Vereins und interessierter und heimatverbundener Bürger wurden seitdem viele historische Zeugnisse zusammengetragen. Zwei Persönlichkeiten verdienen es besonders genannt zu werden: Der am 16. Januar 1967 verstorbene Ehrenbürger der Stadt Zweibrücken, Justizrat Max Schuler mit seiner Familie, und Frau Gertrud von Krauser, eine Nachfahrin des Zweibrücker Hofgärtners Ernst August Petri (1744-1809), die 1960 ihr Anwesen Herzogstraße 9 der Stadt vermachte mit der Auflage, darin ein Heimatmuseum einzurichten. Außerdem bereicherte sie durch Schenkungen die dank der Initiative von Justizrat Schuler zusammengetragenen und inventarisierten Sammlungsgegenstände. Im Oktober 1961 konnte das Heimatmuseum eröffnet werden. Damit wurde ein Wort von Albert Becker, der von 1926 bis 1934 Leiter des alten Heimatmuseums war, in seiner Denkschrift "Ziele und Aufgaben eines Zweibrücker Heimatmuseums" (1914) wieder aktuell: "Ein ganz besonderer Vorzug für ein Heimatmuseum ist es, wenn, wie hier in Zweibrücken, ein altes Gebäude zur Verfügung steht, das dem Museum sofort einen eigenartigen Charakter, einen geschichtlichen Stimmungsgehalt verleiht und ihm ohne weiteres Reize und Werte aufprägt, die sonst vielleicht nur ein großer Künstler in einen Neubau hineintragen könnte".

Nach dem Tod des Vorsitzenden Wilhelm Lang im März 1960 wurde Oberstudienrat Dr. Hans Wölbing zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt und Max Schuler zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seit 1978 hat Oberstaatsanwalt Wolfgang Staedtler den Vorsitz inne.

Sicherlich würde es zu weit führen, die Entwicklung des Historischen Vereins Zweibrücken von 1950 bis heute zu schildern. Es sind aber zu erwähnen die Mitarbeit der Vereinsmitglieder beim Wiederaufbau des Schlosses, der Alexander- und der Karlskirche, die Bemühungen um die Wiedererrichtung des Heimatmuseums sowie die Durchführung und Unterstützung verschiedener Ausstellungen und Veranstaltungen, dank deren wertvolle Akzente im Kulturleben der Stadt Zweibrücken gesetzt werden konnten. Zur 600-Jahrfeier der Stadt Zweibrücken im Jahr 1952 gab der Historische Verein im Auftrag der Stadtverwaltung eine umfangreiche Festschrift heraus.

Der Historische Verein, dessen Aufgabe es sei, sich um die Vergangenheit der Stadt zu bemühen, und die Stadtverwaltung, die sich mit der Zukunft des Gemeinwesens befassen müsse, lebten gleichsam in "Symbiose", betonte Oberbürgermeister Dr. Helmut Fichtner anläßlich der Feierstunde zum hundertjährigen Bestehen des Historischen Vereins am 2. Dezember 1973. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung überreichte er als Ehrengabe für den Verein die Stadtplakette in Silber zusammen mit einer Urkunde, in welcher die Verdienste um die Erforschung der Geschichte Zweibrückens gewürdigt werden. "Der vor hundert Jahren als Verein der Mediomatriker gegründete Zusammenschluß historisch interessierter Bürger unserer Stadt hat seit seinem Bestehen außerordentlich wertvolle und zahlreiche Beiträge zur Erforschung und damit zum Verständnis der Geschichte der Stadt Zweibrücken geleistet. Es ist mit das hervorragende Verdienst des Historischen Vereins Zweibrücken e.V. und seiner aktiven Mitglieder, daß nach den Zerstörungen des letzten Weltkrieges wertvolle Denkmäler und Zeugnisse aus der reichen Geschichte unserer Stadt gerettet und erhalten werden konnten. Es ist auch ein Verdienst des Historischen Vereins, dem schwindenden Geschichts- und Heimatbewußtsein mit sichtbaren Erfolgen entgegenzuwirken und neues Interesse zu wecken. - Damit hat der Verein in kultureller und bildungspolitischer Hinsicht Leistungen erbracht, die erheblich über rein vereinsbezogene Zwecke hinausgehen und über Raum und Zeit hinweg wirksam und nützlich werden. - Mit der Verleihung der Stadtplakette danke ich - zugleich im Namen der gesamten Bürgerschaft - dem Historischen Verein Zweibrücken für seine anerkennenswerte Arbeit und spreche ihm zu seinem 100jährigen Bestehen die herzlichsten Glückwünsche aus".

Abschließend sei ein kurzes Resümee gegeben. Der Historische Verein der Mediomatriker für die Westpfalz in Zweibrücken ist aus einem durch den Stabsarzt Dr. Moser im Jahre 1873 gegründeten Historischen Kränzchen, das unter der Leitung von Ludwig Alois Molitor eine rege, aber auf einen engen Kreis beschränkte Wirksamkeit entfaltete, entstanden. 1897 wurde die lockere Verbindung enger geknüpft, durch Satzungen in einen Verein umgewandelt, und es wurden für diesen die Rechte eines Vereines erworben. Noch im selben Jahr trat der neue Verein dem Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine bei. Seitdem entfaltete sich der Verein in befriedigender Weise.

Die Zahl der Mitglieder stieg bis 1900 auf 111. Die Mittel des Vereins wurden durch Zuwendungen und Unterstützungen seitens der Stadt Zweibrücken (seit 1901) und der Filiale der Pfälzer Hypothekenbank vermehrt; somit konnten eine historische Bibliothek begründet und eine Reihe von Denkmälern früherer Zeiten aus dem Gebiet der Westpfalz erworben werden, die zu einer Sammlung mit lokalem Charakter vereinigt wurden und den Grundstock für das Heimatmuseum bildeten. Seit 1897 erschienen die "Westpfälzischen Geschichtsblätter", die den Zweck verfolgten, das Interesse für die Orts- und Landesgeschichte in weiten Kreisen zu wecken und zu erhalten. Sie erschienen monatlich einmal in der Zweibrücker Zeitung. Im Jahr 1900 wurde auch das erste Heft der von nun an jährlich einmal erscheinenden "Mitteilung des Historischen Vereins" herausgegeben. Die Vereinstätigkeit war bedingt durch die beiden Weltkriege spürbar beeinträchtigt. Im August 1948 wurde die Wiederzulassung des Historischen Vereins bei der Militärregierung beantragt, aber erst Ende September 1950 konnte der "Historische Verein Zweibrücken" als Ortsgruppe im Historischen Verein der Pfalz seine Tätigkeit wiederaufnehmen.

 

Anhang

Satzungen des Historischen Vereins der Mediomatriker der Westpfalz beschlossen in der Hauptversammlung vom 9. Dezember 1896. Zweibrücken. Druck von August Kranzbühler. 1896

§1

Das seit 23 Jahren in Zweibrücken bestehende "Historische Kränzchen der Mediomatriker" wird auf grund nachstehender Satzungen in einen anerkannten Verein umgewandelt, der den Namen führt: "Historischer Verein der Mediomatriker für die Westpfalz in Zweibrücken (Anerkannter Verein)" und seinen Sitz in Zweibrücken hat.

§2

Zweck des Vereins ist: Förderung geschichtlicher Studien, Verbreitung der Kenntnis der Geschichte besonders der Westpfalz, sowie Aufsuchung, Sammlung und Erhaltung von Altertümern und historischen Denkmälern aller Art auf diesem Gebiet.

§3

Die Mitglieder des Vereins sind teils ordentlich, teils Ehrenmitglieder.

§4

Mitglieder des Vereins können volljährige, unbescholtene Personen, sowie Körperschaften und Lehranstalten werden.

§5

Das Gesuch um Aufnahme als ordentliches Mitglied ist schriftlich bei der Vorstandschaft einzubringen, die dasselbe der nächsten Versammlung des Vereins vorlegt. Die hierbei anwesenden Mitglieder entscheiden durch Mehrheitsbeschluß über die Genehmigung oder Abweisung des Gesuches.

§6

Die Mitgliedschaft erlischt durch schriftliche Erklärung des Austritts bei der Vorstandschaft oder Nichtbezahlung des Jahresbeitrags trotz erfolgter Mahnung. Das austretende Mitglied verliert alle Ansprüche an das Vereinsvermögen.

§7

Jedes ordentliche Mitglied entrichtet für die Zwecke des Vereins einen jährlichen Beitrag von 2 Mark, zahlbar im voraus im November. Außerordentliche Ausgaben werden durch freiwillige Beiträge gedeckt.

§8

Als Vereinsjahr hat das Kalenderjahr zu gelten.

§9

Der Vorstand kann mit Genehmigung der bei der nächsten Hauptversammlung anwesenden ordentlichen Vereinsmitglieder solche Personen, die sich besondere Verdienste um den Verein erworben haben, zu Ehrenmitgliedern ernennen.

§10

Jedes Mitglied hat zu den vom Vorstand zu bestimmenden Zeiten freien Eintritt in die Sammlungen des Vereins.

§11

Die Leitung der Geschäfte des Vereins liegt der Vorstandschaft ob. Diese besteht aus 3 Mitgliedern und zwar: dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden und dem Schriftführer, der zugleich Rechner ist. Die Wahl geschieht durch die Hauptversammlung und hat Gültigkeit für 3 Jahre. Die austretenden Vorstandsmitglieder sind wieder wählbar. Scheidet ein Mitglied des Vorstands während seiner Amtszeit aus, so übernehmen die verbleibenden Mitglieder seine Geschäfte bis zur nächsten Hauptversammlung; scheidet ein zweites aus, so ist sofort zum Zweck der Neuwahl des Vorstands eine Hauptversammlung einzuberufen.

§12

Die Beschlußfassungen der Vorstandschaft erfolgen in Sitzungen, die der Vorsitzende einberuft und leitet. Über die Sitzungen ist vom Schriftführer ein Protokoll zu führen.

§13

Der Verein wird nach innen und außen, gerichtlich und außergerichtlich durch den Vorsitzenden vertreten. Die Legitimation desselben geschieht durch beglaubigte Abschrift des Protokolls über die Hauptversammlung, in der seine Wahl stattfand.

§ 14

Die Mitwirkung der Mitglieder des Vereins bei der Verwaltung der Vereinsangelegenheiten findet in der Hauptversammlung statt. Jedes ordentliche Mitglied hat dabei eine Stimme. Ein Mitglied kann sein Stimmrecht nur persönlich ausüben. Die Beschlußfassung in der Hauptversammlung erfolgt durch einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

§15

Die Hauptversammlung ist beschlußfähig, wenn sie in gehöriger Weise berufen ist.

§16

Die Hauptversammlung wird durch den Vorsitzenden drei Tage vor dem Versammlungstage durch Ausschreibung in den hiesigen Zeitungen berufen, wobei die Tagesordnung anzugeben ist.

§17

Alljährlich im Monat Dezember hat eine Hauptversammlung stattzufinden.

§ 18

Die Punkte, die durch die Hauptversammlung erledigt werden, sind:

1. Wahl des Vorstandes (alle drei Jahre) 2. Rechnungsablage und Entlastung des Vorstands, 3. Genehmigung des Voranschlages, 4. Etwaige Änderung der Satzungen, 5. Etwaige Anträge.

Die Beschlüsse der Hauptversammlung sind in ein Protokollbuch einzutragen und vom Vorsitzenden und dem Schriftführer zu unterzeichnen.

§ 19

Die Auflösung des Vereins kann nur durch die Hauptversammlung und nur mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen beschlossen werden. Voraussetzung der Beschlußfähigkeit über diesen Punkt bildet jedoch die Anwesenheit von mindestens der Hälfte sämtlicher Mitglieder.

§20

In die Sammlungen können auch Gegenstände aufgenommen werden, über die sich der Geber das Eigentumsrecht vorbehält. Hierüber wird dem Geber vom Vorstand ein Hinterlegungsschein ausgestellt.

§21

Die Zeitdauer des Vereins ist unbeschränkt. 1m Falle der Auflösung fallen die Sammlungen des Vereins und sein sonstiges Vermögen der Stadt Zweibrücken als Eigentum anheim mit der Bestimmung, die Sammlungen als öffentlich, sicher, sowie ungeteilt zu erhalten, und sie einem etwa später dahier wieder entstehenden Vereine auszuhändigen, der gleiche Ziele wie die in § 2 angegebenen verfolgt.

§22

In Fällen, welche in den vorstehenden Satzungen nicht vorgesehen sind, entscheidet der Vorstand, gegen dessen Entscheidung jedoch die Berufung an die Hauptversammlung vorbehalten bleibt.